Der glückliche Diogenes

Dieser Beitrag zum Hayek-Essay-Wettbewerb 2012 zum Thema „Freiheit und Verantwortung – Überlegungen zur Bedeutung des Haftungsprinzips“ wurde zusammen mit dem Beitrag  von Marcus Lerch mit dem ersten Preis des Essay-Wettbewerbs ausgezeichnet.

Ödipus, der berühmte König von Theben, wurde Opfer eines grausamen Schicksals, das ihn dazu verdammte, den eigenen Vater zu töten und die Mutter zu heiraten. Obwohl alle Beteiligten durch das Orakel von Delphi auf das bevorstehende Unglück hingewiesen worden waren und alles dafür getan hatten, dem Schicksal zu entkommen, gab es kein Entrinnen. Als ihm enthüllt wurde, dass er sein Schicksal erfüllt hatte, geriet Ödipus in besinnungslose Raserei und begann mit einer Orgie der Selbstbestrafung: er stach sich die Augen aus und begab sich in die Verlassenheit und Einsamkeit des Exils. Nicht eine seiner Taten hatte er willentlich und bewusst begangen, und doch verhängte er über sich selbst eine Strafe, die durch keinerlei Recht gedeckt war.
Ganz anders seine Tochter Antigone. Trotz Androhung der Todesstrafe lässt sie ihrem im Bruderkrieg gefallenen Bruder Polyneikes ein würdiges Begräbnis zukommen. Der Tyrann Kreon, ihr eigener Onkel, verurteilt sie daraufhin zum Tod. Weder ihre Schwester noch ihr Bräutigam, noch auch der Tyrann selbst vermögen sie zu überreden, durch Vertuschung oder Reue die Urteilsvollstreckung abzuwenden. Und so nimmt sie das selbstgewählte Los an im Bewusstsein, das Rechte getan zu haben.

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