Gekaufte Solidarität – Wohlfahrtsstaat und Menschenwürde

Gestern hat Papst Franziskus seine erste Reise als Papst unternommen. Er hat die Insel Lampedusa besucht, die seit Jahren für Tausende von Flüchtlingen die erste und oft auch letzte Etappe auf ihrem Weg nach Europa ist. Jährlich sterben Tausende von Menschen auf dem Weg dorthin und viele Tausende werden wieder zurückgeschickt in ihre Heimat, wo Not und Tod herrschen. In Europa werden diese verzweifelten Menschen oft als Bedrohung empfunden – das Bild der hungernden Afrikaner, die die Festung Europa stürmen wollen, sitzt tief in den Köpfen und Herzen der Menschen. Der Papst lenkte den Blick auf einen ganz anderen Aspekt, wenn er in seiner Predigt sagt: „Wer hat geweint über den Tod dieser Brüder und Schwestern? Wer hat geweint um diese Menschen, die im Boot waren? Um die jungen Mütter, die ihre Kinder mit sich trugen? Um diese Männer, die sich nach etwas sehnten, um ihre Familien unterhalten zu können?” Diese Flüchtlinge sind Menschen wie wir, die unser Mitgefühl verdienen. Sie sind Menschen wie wir, die auch ihre Chance verdienen, ihr Glück zu machen.

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Das Wichtigste ist: Die Freiheit des Menschen

Interview mit der Internetzeitung „Freie Welt“

FreieWelt.net: Katholizismus und Liberalismus gelten in Deutschland vielen als gegensätzliche weltanschauliche Grundhaltungen. Gegenseitige Schmähungen („Herz-Jesu-Marxist“, „Manchester-Kapitalist“) sind auch heute noch an der Tagesordnung. Derzeit sind mancherorts Bemühungen zu beobachten, die historisch überkommenen Gegensätze abzubauen oder sogar zu überwinden. Warum gerade jetzt? Gibt es einen besonderen Anlaß?

Clemens Schneider: Schon seit längerem kann man eine Absetzbewegung vom radikalen Laizismus in liberalen Kreisen bemerken. Die FDP zum Beispiel hat sich von ihren fast schon kirchenfeindlichen Äußerungen vor dreißig, vierzig Jahren distanziert, und gerade die junge Generation ist wieder wesentlich wohlwollender gegenüber Kirche und Religion eingestellt. Die Gruppe „Christen in der FDP-Fraktion“ umfasst inzwischen ein Drittel der Abgeordneten und ist somit die größte Gruppe innerhalb der Fraktion. Und der Parteivorsitzende Philipp Rösler sitzt sogar im Zentralkomitee Deutscher Katholiken.
Gleichzeitig öffnet sich gerade die katholische Kirche immer mehr der Idee, dass Marktwirtschaft die dem Menschen am meisten angemessene Wirtschaftsform ist. Vor allem Papst Johannes Paul II. hat da durchaus massive Akzente gesetzt, etwa mit seiner Sozialenzyklika „Centesimus Annus“ von 1991. Dort heißt es zum Beispiel: „Sowohl auf der nationalen Ebene der einzelnen Nationen wie auch auf jener der internationalen Beziehungen scheint der freie Markt das wirksamste Instrument für den Einsatz der Ressourcen und für die beste Befriedigung der Bedürfnisse zu sein.“ Leider sind die evangelischen Kirchen in Deutschland immer noch auf einem zum Teil dezidiert linken Kurs. Das liegt natürlich auch an ihrer traditionell stärkeren Nähe zum Establishment in Politik und Medien.

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Päpstliche Präzedenz

Papst Benedikt XVI. ist kein typischer Katholik. Die gerade laufende Karnevalssaison ist zutiefst katholisch – und so weit weg vom derzeitigen Papst wie möglich (abgesehen von einigen modischen Accessoires). Johannes Paul II. war da ganz anders: er liebte den Auftritt, das Feiern, Pomp and Circumstances, das Spektakuläre. Kurz: all das, was Rom und die römische Kirche zutiefst prägt. Benedikt hingegen, dessen Bescheidenheit bisweilen geradezu schüchtern wirkt, ist aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er vertraut auf die Kraft des Wortes, der rationalen Gedanken.Weiterlesen »

Frank Schäffler empfiehlt Lord Acton

Nachdem Frank Schäffler in seinem blog bereits Ende April Lord Actons Ideen auf heutige Probleme angewandt hatte, empfiehlt er heute in seinem vlog „Seitenweise“ das Lord-Acton-Brevier von Alexander Dörrbecker:

Pontifex Maximus und Máximo Líder

Vor zwei Tagen hat der Papst sich mit Fidel Castro getroffen. Castro ist gemeinsam mit seinem Bruder Raúl und dem absurderweise zur Pop-Ikone gewordenen Ernesto Guevara verantwortlich für den Tod tausender Menschen, für Gefangenenlager, Folterungen und Vertreibungen im ganz großen Stil. Ist es richtig und angebracht, dass der Papst sich mit ihm trifft, zumal er keinerlei offizielle Funktion in Kuba mehr innehat? Ich habe diese Frage einem Freund von mir gestellt, der verdienstvollerweise gerade als bloggender Kaplan reüssiert: „Der Papst hat sich gerade mit Fidel Castro getroffen. Wie kann man es rechtfertigen, sich mit einem Massenmörder zu treffen, der sein Volk und auch die Kirche unterdrückt? Verleiht man ihm dadurch nicht Legitimität?“ Ich finde, ehrlich gesagt, die Vorstellung ziemlich gruselig, dass die Menschen, die Angehörige, Freunde oder vielleicht einfach nur Vorbilder auf oft grausame Weise verloren haben, jetzt das Bild sehen müssen, wie der Papst ihm freundlich lächelnd die Hand schüttelt.

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