Um es ganz deutlich vorneweg zu sagen: nicht der Liberalismus hat am 22. September eine krachende Niederlage erlitten, sondern eine Partei, die beansprucht, den Liberalismus zu vertreten. Warum ist die FDP 2009 triumphal in den Bundestag eingezogen und 2013 gnadenlos hinauskomplimentiert worden? In den vier Jahren Regierung ist sie zu einer verwechselbaren Partei geworden. Bei ordnungspolitisch mindestens stark umstrittenen Projekten wie der Euro-Rettung und der Energiewende hat sie ebenso wenig liberales Profil gezeigt wie bei rechtsstaatlich problematischen Fällen wie der Entmachtung der Parlamente durch den ESM und der NSA-Affäre. Sie hat ihr Profil verloren. Da sie den Anspruch erhoben hat, eine liberale Partei zu sein, kann das nichts anderes heißen als: sie hat den Liberalismus – zumindest aus den Augen – verloren.
Wie kam es dazu? Das Gewähltwerden trat in den Vordergrund, inhaltliche Positionierungen in den Hintergrund. Zunächst wollte man das phänomenale Wahlergebnis noch maximieren und wie eine Volkspartei inhaltlich beliebiger werden. Als dann die ersten Umfragen und Wahlen den Misserfolg dieser Strategie aufzeigten, blieb man auf der inhaltlichen Schmalspur. Diesmal jedoch nicht aus der Gier, neue Wähler zu gewinnen, sondern aus der Furcht, alte zu vergraulen.Weiterlesen »