Die Rose unterm Kartentisch – Von Tradition und Aufbegehren

Am Abend des 20. Juli 2012 wollte ich den Bendlerblock besuchen, um eine Rose abzulegen, dort wo Claus Schenk von Stauffenberg, Friedrich Olbricht, Albrecht Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften in der Nacht zum 21. Juli nach dem gescheiterten Attentat erschossen wurden. Doch es waren sämtliche Zugänge so weiträumig wie hermetisch abgesperrt. Den bewachenden Polizisten hätte wohl niemand eine Rose zum Weitertransport anvertraut … So ging ich weiter  zur Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ und legte meine Rose dort nieder, wo viele Widerstandskämpfer gefoltert und ermordet wurden.

Der Bendlerblock war gesperrt, weil dort das Gelöbnis der Bundeswehr-Rekruten stattfand. Die relativ neue und nicht unumstrittene Tradition, das Gelöbnis dort abzuhalten, wo Zentrum und tragischer Endpunkt des Widerstands vom 20. Juli lagen, wird mit dem Vorbildcharakter des Widerstands für die Bundeswehr begründet. Dies ist typisch dafür, wie das Polit-Establishment seit der Gründung der Bundesrepublik  jene tapferen Männer umdeutet: Sie werden zu geistig-moralischen Vorfahren des demokratischen Deutschlands, und so zu Garanten der staatlichen Ordnung, gemacht.

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Eingeordnet unter Geschichte, Philosophie

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