Muff von 1000 Jahren

Sehr geehrter Herr Schuhler,

Vor zweieinhalb Wochen habe ich auf dem Blog der INSM einen Artikel veröffentlicht, in dem ich den Aufruf der VWL-Studenten für eine Plurale Ökonomik lobe und dazu aufrufe, ihn ernst zu nehmen. Vor ein paar Tagen haben Sie auf diesen Artikel auf der Website des Instituts für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung reagiert. Ich erlaube mir eine kleine Replik, weil Sie dort etliche Tatsachen falsch dargestellt haben, und auch, weil ich mehrere ihrer Aussagen für schlichtweg unsinnig halte. Sie suchen nicht die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern dreschen nur die Phrasen von vorgestern. Haben Sie nicht auch einmal den „Muff von 1000 Jahren“ bekämpft? Wissen Sie, Ihr Feldzug ist mittlerweile auch recht muffig geworden …

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Vielfalt statt Einfalt: Was die Wirtschaftswissenschaften brauchen

Anfang Mai machte ein internationaler Aufruf von VWL-Studenten Furore. Die „International Students Initiative for Pluralism in Economics“ beklagt eine „besorgniserregende Einseitigkeit der Lehre“ in ihrem Fach.  Man kann das „Netzwerk Plurale Ökonomik“ durchaus kritisch sehen. Allerdings: Der Aufruf trifft einen wunden Punkt.

Was wollen die Initiatoren? Sie fordern drei Formen des Pluralismus: „Theoretischen Pluralismus, methodischem Pluralismus und Interdisziplinarität.“

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Eine Stimme für die Freiheit

Bei der Europawahl hat sich die FDP, wie es der alte und neue Europaparlamentarier Michael Theurer formuliert hat, bei 3,4 % „stabilisiert“. Mit anderen Worten: mit altbackenen Phrasen und dem ewig-gleichen Personal kann diese Partei nicht mehr reüssieren.

Tausende von FDP-Mitgliedern haben zum Teil zähneknirschend vor der verzweifelten Ausgangslage der Bundestagswahl und in einem nicht mal mehr feindlichen, sondern schlichtweg uninteressierten Umfeld über Wochen hinweg Wahlkampf gemacht. Tausende haben sich aufgerieben, weil sie immer noch der Überzeugung sind, dass der Liberalismus eine Stimme in Deutschland und Europa braucht. Und Tausende wurden im Prinzip verarscht.

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Aktenzeichen AfD – Dieter Plehwe ermittelt

Unseren geschätzten Lesern soll ein Juwel des Investigativ-Interlektualismus nicht vorenthalten werden … Der Neoliberalismus-Experte Dr. Dieter Plehwe aus Berlin hat in einem fundierten Discussion Paper die neoliberal-nationalkonservative Verschwörung aufgedeckt, die zum Entstehen der AfD geführt hat. Präzise und luzide beleuchtet er die finsteren Abgründe, die sich da auftun, wo der Kapitalismus in seiner nacktesten Form durch die öffentlichen Parks der Parteipolitik streunt und kleine Kinder erschreckt.

Der geneigte Leser möge sich nicht abschrecken lassen von den völlig freien Assoziationen in dem Paper. Dieser Stil ist Teil einer ganz neuen wissenschaftlichen Bewegung, die sich endlich löst von den traditionalistisch-rechtskonservativen Idealen einer auf Logik und Beweis fußenden Herrschaftswissenschaft.

Wir haben exklusiv für die treuen Leser des antibuerokratieteam einige für Sie besonders interessante Highlights aus dem Bericht zusammengestellt. Bitte beachten Sie, dass dies nicht die Lektüre des gesamten Berichts ersetzt!

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Putins Brave Old World

Die Interpretationen des Verhaltens der russischen Führung in den vergangenen Monaten reicht von dem Verdacht, Putin sei wohl durchgeknallt, über die klassische Variante der Geopolitik bis zu der Analyse, Putin brauche nur ein bisschen Liebe. Vielleicht trifft aber keines dieser Erklärungsmuster wirklich den Kern. Eine mögliche Erklärung wäre, dass Putin sich und Russland zum Anführer des Konservatismus* und Traditionalismus in der Welt machen möchte. „Wladimir Putin: Weltführer des Konservatismus“ ist eine kürzlich erschienene Studie eines kremlnahen Think Tanks überschrieben. Sein Handeln in der Krim-Krise wäre dann nichts anderes als das Signal: Wir sind wieder da.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schien es, als hätten der Kapitalismus, das westliche Modell, die offene Gesellschaft gesiegt. Nun würde, so der Eindruck in den 90er Jahren, die ganze Welt den American Way of Life adaptieren. Der Wandel in Osteuropa schien das ebenso zu bestätigen wie die zunehmende Öffnung Chinas, des letzten bedeutenden kommunistischen Staates.

Einen Sieg des Westens, der ja als eine Niederlage des Ostens verstanden werden könnte, wollte der Mann, der den Zerfall der Sowjetunion „die größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts bezeichnete, aber nicht hinnehmen. Er selbst musste in den 90er Jahren erleben, wie Russland tatsächlich manche der unangenehmsten Eigenschaften des Westens unbesehen übernahm: Unter Präsident Jelzin machte sich ein „crony capitalism“ erster Güte breit. Die Aufsteiger im postsowjetischen Russland plünderten das Land gnadenlos aus. Sie personifizierten den „Verrat an Volk und Vaterland“ unter dem Banner des Individualismus. Der Westen konnte vor diesem Hintergrund geradezu als Inbegriff von Korruption und Verkommenheit erscheinen. Begünstigt wurde dieser Eindruck dadurch, dass mit den „westlichen Unarten“ nicht auch westliche Werte in das Land kamen. Diese blieben weiterhin auf den kleinen Kreis der intellektuellen und technokratischen Eliten der großen Städte beschränkt, in dem sie bereits die Zarenzeit und die Sowjetunion überdauert hatten.

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